Monti-Doro
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Marino Pedretti 1945
Thomas Kohler 1993
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Ein Monte entsteht
Und das Korn leuchtete golden...
Die Geschichte eines Maiensässes
Es war einmal vor langer Zeit. Die Hirten zogen mit
ihren Herden wie jedes Jahr wieder in die Berge. Da
entdeckten sie eine wunderschöne, liebliche Gegend.
Die Wiesen waren saftig und voll von Kräutern
und überall sprudelten kristallklare Bächlein
über die Weiden. Die Hirten nahmen voll Freude
die Gegend wahr und beschlossen, hier zu bleiben. So
wurde es Sommer und Winter und die Zeit verging.
Aber eines Tages kam eine Gruppe von sieben Leuten mit
Hacke und Schaufel. Es waren grosse, muskulöse
und starke Männer, jene Art Menschen, welchen
man leider immer weniger begegnet. Ihre Blicke schweiften
in die Ferne, hoch in die Berge und tief ins Tal, verfolgten
den Gang der Sonne und wählten gemeinsam den besten
Platz, wo sie mit Bauen beginnen konnten.
Tag für Tag, ununterbrochen, vom Morgengrauen bis
zum Sonnenuntergang, tönte von den luftigen Höhen
das emsige Treiben des feierlichen Werkes. Und bald
wurde der Grundstein gesetzt. Einfache Häuser
wollen wir auf diesen Felsen für unsere Kinder
bauen, sagten die einsamen Arbeiter in Unkenntnis des
Sinnes der berühmten Verse von Salamista >Nisi
Dominus aedificaverit domum, in vanum laboraverumt
qui aedificant eam< welche sie aber in ihrer Herzensbildung
anzuwenden wussten. Sie besprengten in einem einfachen,
frommen Ritus mit einem Zweiglein die ersten Reihen
Steine mit Weihwasser. Die Spitzen der Lärchen
im Walde schienen im Lichte zu zittern und der dunkelblaue
Himmel erhellte sich wie ein Lächeln.
Die Mauern wuchsen langsam aus der Erde, der Mai kam
wieder, die Bäume und Abhänge grünten
von neuem, die anschwellenden Wasser perlten fröhlich
plätschernd von den Bergen und in den Birkenwäldern
im Tal war der Kuckuck wieder zu hören.
Der Frühling liess die Herzen der emsigen Arbeiter
höher schlagen. Wie sie bemerkten, dass sie die
passenden Steine immer weiter suchen mussten und diese
zudem schwer erreichbar waren, sagten sie eines Tages
mit einem Blick auf den Lärchenwald: "Der
Wald wird uns genug Holz geben". Und von nun an
fielen die Schläge der glänzenden Beile kraftvoll
gegen die alten Stämme und das Echo tönte
von den Bergen wie ein gewaltiger Chor. Die alten,
hundertjährigen Lärchen, gewachsen unter
dem Einfluss der Elemente, zwischen Blitzen, Regenschauern
und Schneestürmen, fielen majestätisch, einer
nach dem anderen. Oft schützten die Arme der überlebenden
Bäume das Fallen der Brüder und der gigantische
Baum liess sich so zufriedener fallen und fand sich
mit seinem Schicksal ab, im Bewusstsein seines Opfers
für ein anderes Lebenswerk. - Der Äste beraubt
und der Rinde entledigt, wurden die roten Stämme,
nach Mass zugesägt, bearbeitet und in Form gebracht.
Mit starken Armen zog man sie schliesslich den Hang
zu den halbfertigen Häusern hinunter.
Während des ganzen Sommers fand der lautstarke
Kampf in der Einsamkeit zwischen den Männern und
dem Wald, dem massiven Widerstand der lebenden Substanz
und des immer wieder geschärften Eisen, statt.
Sogar die Raben, welche am Abend in schwarzen Schwärmen
von den Hügeln herunterflogen, erschraken und
wechselten krähend den Flug.
Der Winter zog dieses Jahr frühzeitig ins Land
und bedeckte die noch nach Harz und leben riechenden
Bäume unter einer schützenden Schneedecke.
Der Frühling kam wieder fröhlich und leuchtend.
Zahlreicher erschienen die Männer aus dem Tal
und nahmen die Bautätigkeit eifrig und zähe
auf. Die Stämme wurden fest auf die vier Mauern
gelegt, einer dicht auf dem anderen, genau ausgerichtet
und rechtwinklig ineinandergefügt; die Wände
wuchsen langsam, exakt und genau im Lot. Am Abend sassen
die Erbauer des Maiensässes auf den Balken, müde,
aber doch glücklich über das gelungene Tageswerk.
Die grossen, sehnigen Männer, schweigsam und bedächtig,
sassen, während die Schatten aus dem Tale aufstiegen,
zwischen den Steinen und Balken und nahmen einen eigenartigen,
ja fast legendären Ausdruck an. Sie widerspiegelten
die Urkräfte der Natur, die bewundernswürdige
Eigenschaft eines Menschentypes, welcher, zwar arm
geborenund zwischen kargen Landstücklein und unwegsamen
Gelände aufgewachsen und überall von Feindseligem
umgeben, dank den Kräften des angeborenen Talentes,
des starken Willens und seiner Muskeln, das Leben aus
dem Nichts zu erschaffen wusste.
Der arbeitsreiche Sommer ging zu Ende und es kam der
September. Der erste Frost liess die Gräser in
den Lichtungen erstarren. Die Nadeln der Lärchen
wurden Gelb und die äussersten Spitzen der Bäumchen
begannen zu zittern. Winde kamen auf und alles war
voll Laub.
"Schon das zweite Arbeitsjahr", sagte eines
Tages der jüngste Arbeiter während eine Schafherde
vorbeizog, "überall liegt das Laub und unser
Werk ist noch nicht vollendet." "Es wird
Allerheiligen werden", antwortete der Schweigsamste
unter ihnen, angelehnt an eine Türschwelle. -
Von jetzt an kannten sie keine Pause mehr.
Als der erste Schnee über dem Wald fiel, waren
die Häuser fertig. Sieben kleine, saubere Häuschen,
mit niedrigen, grauen Mauern und rötlichen Wänden,
die Dächer aus Naturstein und grob zugehauen.
Die winzigen Zimmerchen rochen nach Harz und sahen
wie Klosterzellen aus. Über den starken Doppeltüren
war ein geschnitztes Kreuz angebracht, welches die
Jahreszahl des Baues trug. Jetzt war der Wald schon
weiss und der Schnee blieb auf den neuen Dächern
haften. Die von der Arbeit müden Männer verstauten
ihre Arbeitsgeräte und machten sich zum Weggang
bereit. Aber bevor sie endgültig gingen, versammelten
sich alle auf einem Platz, um sich einen Moment ihren
Gedanken hinzugeben. Der Himmel war bleiern und die
Schneeflocken fielen immer dichter. Da sagte ein grosser,
dunkler Mann: "Das nächste Jahr, bevor wir
die Alphütten, die Ställe und die Heustadel
bauen, errichten wir hier eine kleine Kapelle und setzen
oben, am Fusse des Waldes ein grosses Kreuz aus rotem
Lärchenholz." Alle stimmten diesem Ansinn
zu und dann stiegen sie, einer nach dem anderen, im
Schneegestöber ins Tal.
Im nächsten Jahr, dem dritten nach der Grundsteinlegung,
kamen die ersten Bewohner und richteten sich zwischen
der Kapelle und dem Holzkreuz ein. Es war gegen Ende
April. Man führte die Herden auf die Weide, richtete
die Kulturen ein und vertraute den Furchen die Samen
an. Man erzählte sich, dass die ersten Ähren,
welche auf diesen Höhen reiften, von einer solch
gelbleuchtenden Farbe waren, dass man meinem konnte,
es wäre flüssiges Gold. Dies sehend, sagten
die Mäherinnen lachend: "Unser Dorf ist golden."
Und dieser den Häusern spontan gegebene Name blieb
für immer. Auf der Alp kamen und gingen die Jahreszeiten,
die Einwohnerzahl nahm zu und die sieben kleinen Hütten
genügten nicht mehr- "Aber wir werden bleiben".
Und die Kinder der alten Handwerker, stolz und unbeugsam,
mit der gleichen Liebe zum unabhängigen Leben
auf der Alp, nahmen bald wieder Schaufeln, Hacken und
Beile hervor. Neue Häuser werden gebaut und der
"Monte" erfuhr seine lebhaftesten Tage.
Eines Tages, im Herbst, bemerkte man den beginnenden
Zerfall der Kapelle. "Wir werden an ihrer Stelle
eine kleine Kirche bauen und die Mauern werden alle
aus Stein sein und zuoberst hängen wir eine kleine
Glocke, welche wir in Venedig von unserem Geld giessen
lassen werden". Im folgenden Jahr, von Ende März
bis zur zweiten Juli-Hälfte, wurde der fromme
Plan in die Tat umgesetzt. Während die Steinmauern
wuchsen, grünten die Abhänge wie ehedem,
die Bächlein sprudelten stärker von der Alp
und in den Birkenwälder rief wieder der Kuckuck.
Eine Fröhlichkeit erfasste die Erbauer und liess
ihre Herzen vor Freude hüpfen. Als der letzte
Kellenwurf getan und die Kirche vollendet war, wurde
die Glocker voller Freude von Venedig herangetragen
und auf das Türmchen gezogen. Das Läuten
verbreitete sich mit lieblicher Silberstimme und wie
sie so zuhörten kam plötzlich Rührung
in die Herzen der Arbeiter und die alten und neuen
Häuser betrachtend, begannen sie wie die Kinder
zu weinen...
Die Kirche wurde im August von einem Pfarrer aus dem
Tale eingeweiht und zur Zeremonie kamen, getragen von
glühendem Glauben, grosse, magere, dunkle, Männer,
hagere, nachdenkliche Frauen und schwächliche
Kinder mit unergründlichen Augen. Und es kamen
viele Leute, auch von den anderen "Monti"
und sogar vom Tale.
Und weil der Ort hoch oben lag, gaben sie dem Haus ihrer
Seele den Namen des Heiligen der im Reich Gottes so
hoch gestiegen war: San Giovanni il Battista. - Dies
geschah im Jahre 1644.
O aero "monte", che porti un nome si prezioso
e
cosi in alto stai, presso le vette e il cielo:
anche se i tuoi abitatori, oggi diradano;
anche se la tua gente migliore, di anno in anno,
muore;
anche se la tue povere case sole, sempre piu
numerose, piangono gli abbandoni;
non potrai tu, piccolo "monte" scomparire:
fin che sul greppo si leverà la tua bianca
chiesetta
è suonerà, nei meriggi, all'albe e nelle
sere la tua
campanella
e, dentro i marmi del tuo altare rinnovato,
vegliato dalla lampada e dai cuori, vi sarà nelle
dolci
estati il Pane della vita!
Te lo promettono i tuoi morti, propiziando.
Te lo dice San Giovanni il Battista.
Lichene
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